Bürgermeister-Galerie
Bole Hayen Bole Hayen (1608 - 1620) Bole Hayen (auch Bohle Hajen oder Bohle vom Felde genannt) musste sein Amt mit jeweils drei anderen Kollegen teilen. Die anderen Bürgermeister hießen Heinrich Evers (1608-1618), Stephan Evers (1618-1622), Burchart Strüwing (1591-1620) und Hinrich Erpenbeck (1608-1617). Der Grund für die vierfache Besetzung des Bürgermeisterpostens ist nicht genau zu sagen. Es scheint aber ein Zusammenhang mit der damaligen angespannten politischen Lage in Ostfriesland zu bestehen: Streit zwischen dem vom reichen Emden beherrschten Landtag und dem Grafen. Graf Enno III. hatte den Landtag, die Vertretung der Stände, zu einer Tagung nach Aurich einberufen. Dem widerstrebte Emden mit allen Mitteln. Zunächst "verbot" der Magistrat von Emden den Delegierten in ganz Ostfriesland, zu diesem Landtag nach Aurich zu fahren. Als man hörte, dass doch einige Ständevertreter nach Aurich unterwegs waren, befahl man kurz entschlossen einen Überfall auf die friedliche Stadt. Zu diesem Zeitpunkt befand sich dort nicht einmal der Graf, geschweige denn eine gräfliche Truppe. Am 10. September 1609 trafen 600 Mann der Emder Garnison vor Aurichs Wällen ein. Dort belagerte man die Stadt drei Tage lang. Was dann passierte, berichtete ein Augenzeuge jener Tage. Nach der dreitägigen Belagerung hätten die Emder an einer Stelle das Wasser im Graben abgeleitet und sich so einen Durchgang verschafft: "Dahero die Wallen mit gnugsamer Macht unbesetzet gewesen, sind die Emder durch die Graben über den Wall gefallen, haben einige Borger wie auch den Bürgermeister Bole Hayen geschlagen, die Thore geöffnet, und also mit gantzem Hauffen die Statt occupiret." Im Laufe dieser Occupation waren die Soldaten auch in das Haus der Kanzlei (heute: Historisches Museum) eingedrungen, wo die Akten des Gräflichen Hauses gelagert waren. Die Krieger raubten die meisten Schriftstücke und schafften sie in mehreren Pferdefuhrwerken nach Emden. Noch bis zum 10. Februar dauerte die Besatzung Aurichs durch die Emder. Schließlich schickten die Niederländer 100 Mann ihrer in Emden liegenden Truppen und die Emder zogen nach Greetsiel, um dieses zu besetzen. Bole Hayen war noch bis 1620 in seinem Amt. Mit den großen Erfolgen, die sich Emden in diesem letzten Jahrzehnt erwarb, konnte das kleine Aurich nicht mithalten. Immerhin nutzte auch Aurich die Schwäche des Grafen aus, um sich einige kleine Vorteile zu verschaffen. Man reichte eine lange Liste mit "Gravamina" (Beschwerden) ein. Eines gestand der Graf den Aurichern zu: Sie waren nicht mehr gezwungen, Hofdienste zu leisten, sondern konnten diese durch eine Geldzahlung abgelten!
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Albert Bolenius Albert Bolenius (1632 - 1638) Albert Bolenius war der Sohn des Bole Hayen. Dieser war ebenfalls zusammen mit Hinrich Erpenbeck von 1608 bis 1620 Bürgermeister. Der Sohn Albert, später auch Albertus genannt, war promovierter Jurist. Er legte sich einen lateinischen Namen zu und trat in den Justizdienst der ostfriesischen Grafen. Er wurde Assessor am Hofgericht und war für Familienangelegenheiten zuständig. Die Kanzler Dothias Wiarda und Arnoldus van Boland empfahlen dem Grafen, Bolenius das Bürgermeisteramt von Aurich zu übertragen. Ulrich III. folgte diesem Rat. Es ist anzunehmen, dass er in Bolenius einen Verfechter seiner Interessen im ostfriesischen Landtag suchte. Der Graf stand nämlich gerade im Landtag unter scharfem Beschuss der Stände. Bolenius erwies sich als ein getreuer Gefolgsmann des Grafen. Bei der bevorstehenden Bedrohung durch Hessische Kriegshaufen ging er mit nach Emden. Offiziell war Bolenius von 1632 bis 1638 als Bürgermeister tätig, obwohl er sich ab 1637 in Emden befand. Hier fand Bolenius offenbar eine annehmbare Existenz als Jurist. Schließlich bat er den Grafen um seine Entlassung aus dem Bürgermeisteramt. Im Rathaus zu Aurich wurde er von der Bürgerschaft feierlich verabschiedet. Als Abschiedsgeschenk erhielt er "zwantzig Reichsthaler und einen Pokal zu 60 Loth Silber". Er selbst gab dem Rat im Gasthof "Zum Weißen Schwan" ein "klein Banket". Ein Jahr später tritt Bolenius wieder in den Dienst des Grafen Ulrich III. und wird nunmehr "gräflicher Rath" und erhält den Titel "advocatus fisci". Noch bis 1660 wird er als Rath erwähnt. Während dieser Zeit verfasste er eine "Ostfriesische Historie".
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Christian Wolfgang von Spies Christian Wolfgang von Spies (1805 - 1810) Christian Wolfgang von Spies wurde als Sohn eines Regierungsrates und Geheimen Archivars im Jahre 1774 geboren. Sein Geburtsort ist wahrscheinlich Bayreuth, wo der Vater tätig war. Wie kam der junge Adelige aus Franken auf diesen Posten der Residenzstadt Aurich? Der Grund ist wohl die Heirat einer Auricherin, die Tochter des Kriegs- und Domänenrates Boden, Cornelia Elisabeth. Man kann annehmen, dass der angesehene Beamte seinen Schwiegersohn gelegentlich empfohlen hatte. Christian Wolfgang von Spies hatte, nachdem das Fürstentum Ansbach-Bayreuth 1793 zu Preußen gekommen war, in dem preußischen Füselierbataillon von Bila gedient. Nachdem er 1804 verwundet war, bat er um seinen Abschied. Kurz darauf bewarb er sich um das Amt des Auricher Bürgermeisters. Im folgenden Jahr, am 12. November 1805, trat er sein Amt an. Er hatte dieses bis 1810 zusammen mit dem Juristen Joachim Christian Oncken inne. Oncken war gleichzeitig Landschaftlicher Administrator. Beide mussten aus dem Amt scheiden, nachdem Ostfriesland am 1. Januar 1811 als "Departement de 1'Ems oriental" dem Kaiserreich Frankreich zugeschlagen wurde. Man führte die französische Verwaltung ein. Der Bürgermeister hieß künftig "Maire"; der erste "Maire" von Aurich trug den Namen Bourdeaux. Spieß durfte noch bis 1811 den Posten des Polizeikommissars in Aurich ausüben. Über sein weiteres Schicksal wissen wir nur, dass er 1818 ein Landgut bei Haselünne übernahm. Auch ist bekannt, dass er nach dem Tode der ersten Frau eine zweite Ehe mit der Witwe Maria Theresia Wullenweber, geb. von Twinglo, einging.
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Johann Diedrich Müller Johann Diedrich Müller (1870 - 1881) Am 27. Juni 1868 übernahm der Senator Johann Diedrich Müller die Amtsgeschäfte des Bürgermeisters. Der bisherige Amtsinhaber Assessor Cleve aus Moringen bei Hannover wurde plötzlich abberufen und ins ferne Oppeln versetzt. Grund für seine Abberufung war die prohannoversche Haltung des Beamten. Die Neuwahl eines Bürgermeisters erwies sich als recht schwierig. Es gab zwar Bürger, die den geschäftigen Müller als Bürgermeister wünschten, aber auch solche, die sein Amt verhindern wollten. Müller entstammte einer alten Auricher Familie, welche auch im Besitz der Wallmühle war. Daher stammte auch der Familienname. Er besaß außerdem ein gutgehendes Kolonialwaren- und Spirituosengeschäft am Auricher Marktplatz. Müller war schon einige Jahre Bürgervorsteher, dann Senator, und seit 1868 stellvertretender Bürgermeister. Nun fühlte er sich auch noch den Aufgaben eines Bürgermeisters gewachsen. So bewarb er sich offiziell um diese Stelle. Er rühmte sich, dass er kraft seiner "bürgerlichen Stellung, allgemeinen Bildung, gemeinen Kenntnis der hiesigen Verhältnisse und langjährigen Erfahrung im Dienste der Stadt" der am besten geeignete Bewerber sei. Es dauerte fast zwei Jahre, bis eine Entscheidung fiel. Die vorgesetzten Behörden - die Landdrostei, das Oberpräsidium in Hannover und das Preußische Innenministerium in Berlin - drangen darauf, das Amt mit einem Juristen zu besetzen, allerdings, ohne den Posten entsprechend honorieren zu wollen. Schließlich verlangte man von Müller, dass er sein Geschäft aufgebe, was er dann auch tat. 1870 wählten die Wahlmänner - nach allerlei Manipulationen - ihren Mitbürger Müller zum Bürgermeister. Die Behörden stimmten zu. Mag er auch kein "ausgezeichneter Bürgermeister" gewesen sein, wie es die preußischen Behörden verlangten, so war er doch bei der Bevölkerung wegen seines leutseligen Wesens, seiner Heimatverbundenheit und seiner guten Plattdeutschkenntnisse recht beliebt. Müller starb, noch im Amte, am 24. August 1881. Er wurde 72 Jahre alt. Sein Enkel, der Justizrat und Rechtsanwalt Jellrich Müller, spendete 1933 der Stadt jene Jünglingsfigur, die heute in der Nähe des Landschaftsgebäudes steht. Der Platz heißt heute "Bürgermeister-Müller-Platz".
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Friedrich Schwiening Friedrich Schwiening (1882 - 1924) Der Bürgermeister mit der längsten Amtszeit von 42 Jahren war Friedrich Schwiening. Man wollte von vornherein einen ausgebildeten Juristen als Bürgermeister haben. Das Wahlgremium aus den Herren Dr. med. Wolfes, Rechtsanwalt Seckels, den Apothekern Meins und Rassau, dem Weinhändler Winter und dem Kaufmann Eiben entschied sich einstimmig für den 31jährigen Assessor Friedrich Schwiening aus Göttingen. In ihm glaubte man die guten preußischen Beamtentugenden wie Fleiß, Eifer, Fachkenntnisse und Ordnung zu finden. Hinzu kam, dass ihm die bisherigen Vorgesetzten eine "schnelle Auffassungsgabe, taktvolles Verhalten und gefällige Umgangsformen" bescheinigten. Es stellte sich heraus, dass man in allen diesen Punkten recht behalten hatte. Schwiening war 1851 in Springe als Sohn eines späteren Amtsgerichtsrates geboren. Nach dem Jurastudium war er Referendar an verschiedenen Gerichten in Einbeck, Hannover, Otterndorf, Göttingen und Lüneburg gewesen. Zur Zeit seiner Bewerbung war er Assessor beim Amtsgericht Göttingen. Am 8. Dezember 1881 wurde die Einstellung Schwienings als Bürgermeister von Aurich vom Innenministerium in Berlin bestätigt. Senator Winter nahm ihm am 5. Februar 1882 den Eid ab. Schwienings Amtszeit fiel in eine für Deutschland glückliche Zeit, als die sozialen Unruhen am fernab gelegenen Aurich vorbeigingen. Die Entwicklung Aurichs ging langsam und ohne besondere Vorkommnisse vonstatten. So wurde 1889 ein Schlachthaus errichtet, 1894 ein Krankenhaus, 1897 die Lambertischule, 1910 das Gaswerk sowie 1911 das Wasserwerk. 1914 wurde kurz vor Kriegsbeginn das Sparkassengebäude neben dem Rathaus gebaut, dieses selbst war schon einige Jahre zuvor renoviert worden. Trotz des Bürgermeisteramtes fand Schwiening Zeit für andere Ämter, die mit seinem Bürgermeisterposten zu tun hatten. So war er Abgeordneter im Provinziallandtag und seit 1886 auch Landschaftsrat der Ostfriesischen Landschaft. 12 Jahre später wurde er sogar nebenamtlich Syndikus der Ostfriesischen Landschaft. Im Alter von 40 Jahren heiratete er die Ostfriesin Henriette Tannen. Auch in der Politik war Schwiening ein Mann der gezügelten Handlungen. Bei seinem Eintritt ins Berufsleben bezeugten seine Vorgesetzten, er sei "in politischer Beziehung nicht hervorgetreten". Dies blieb so bis zu seiner Pensionierung. Noch als Ruhestandsbeamter konnte er 1933 in einem Fragebogen der nationalsozialistischen Regierung auf die Frage nach einer früheren Parteizugehörigkeit "keine" eintragen. Am 26. September 1924 wurde Schwiening in den Ruhestand versetzt. Er war damals bereits 73 Jahre alt. Am 22. Mai 1935 verstarb er in Aurich.
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Karl Anklam Karl Anklam (1924 - 1933 und 1945 - 1946) Als nach dem jahrzehntelangen soliden Wirken des Patriarchen Schwiening ein neuer Mann für das Bürgermeisteramt gesucht wurde, wünschte man sich in den schwieriger gewordenen Zeiten eine Figur, die imstande war, die bedrohenden Nachkriegsverhältnisse zu lösen. Es sollte jemand sein, der sich durch Tatkraft und Dynamik auszeichnete. Unter den 55 Bewerbungen wurde der 41jährige Dr. jur. Karl Anklam aus dem Pommernland ausgewählt. Anklams bisherige Laufbahn hatte ihn durch verschiedene Verwaltungsstellen geführt: Hilfsarbeiter bei den Kreisverwaltungen von Guben und Landsberg, 1913 Bürgermeister der kleinen Stadt Damgarten und 1919 von der Stadt Rügenwalde. Seine Amtsführung in Aurich war ohne Tadel. Die anstehenden Aufgaben löste Anklam mit großem Engagement. Auf Ressentiments stieß jedoch bald in dem eher konservativen Aurich seine politische Tätigkeit. Denn er erwies sich nicht nur als überzeugter Republikaner, er wirkte auch aktiv für die Deutsche Demokratische Partei (später Deutsche Staatspartei) und das Reichsbanner. Die Nationalsozialisten (wie auch die Kommunisten) griff er mit außerordentlich scharfen Worten an. Die kämpferischen Zitate aus seinen Reden, Schriften und Leserbriefen füllten nach 1933 ganze Seiten von Anklagen. Eine lächerliche Affäre führte zum Sturz des von den Nationalsozialisten gehassten Bürgermeisters. Dr. Anklam musste im Sommer 1933 Aurich verlassen. In den Jahren bis 1945 musste er untergeordnete Tätigkeiten ausführen. Ein beruflicher Wiederaufstieg wurde ihm durch äußerst negative Beurteilungen des neuen Bürgermeisters von Aurich verwehrt. 1945 war Anklam 62 Jahre alt. Jann Berghaus, sein alter politischer Freund, der inzwischen wieder zum Regierungspräsidenten ernannt war, berief seinen Kampfgefährten wieder zum Bürgermeister. Aber als 1946 die neue zweigleisige Verwaltungsstruktur nach britischem Vorbild eingeführt wurde, musste sich Anklam zwischen zwei Möglichkeiten entscheiden: dem politischen, ehrenamtlichen, aber verhältnismäßig einflusslosen Bürgermeister oder dem unpolitischen, hauptamtlichen Stadtdirektor. Dem engagierten Mann fiel die Wahl schwer. Sein Ideal war eben der politische Verwaltungsbeamte. So trat er aus dem Staatsdienst zurück. Sein Nachfolger als Bürgermeister wurde der Einzelhandelskaufmann Hermann von Schleusen. Am 1. Januar 1961 starb Karl Anklam. Sein Grab befindet sich auf dem Auricher Friedhof. Vor einigen Jahren wurde nach ihm der Bürgermeister-Anklam-Platz benannt. Eine späte Ehrung!
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Kurt Fischer Kurt Fischer (1933 - 1939) Kurt Fischer war der erste von fünf nationalsozialistischen Bürgermeistern. Schon bei seiner Auswahl unter 84 Bewerbungen hatte man ihn als einen jungen, dynamischen Mann ausgesucht, der das Parteiabzeichen bereits seit 1931 trug. Fischer kam aus Landsberg an der Warthe, wo er am 03.12.1902 als Sohn eines Landwirtes geboren wurde. Als "Einjähriger" verließ er die Schule, holte aber später sein Abitur nach. Nach einem Studium in Insbruck, Berlin und Breslau bestand er im Dezember 1932 sein Referendarexamen als Jurist. Fischer traf am 10. Dezember 1933 auf dem Auricher Marktplatz mit dem Auto ein. Ein Sturm der SA und eine Gefolgschaft der HJ war vor ihm aufmarschiert. Unter den Klängen des Badenweiler Marsches schritt er die Front ab. Eines war nun klar: Er war nicht der Vertreter der Bürgerschaft, sondern der Abgesandte der Partei! Diese Position übte Fischer mit überraschendem Selbstbewusstsein aus. In den sechs Jahren seiner Amtsführung gab es beachtliche Veränderungen in Aurich. Am meisten bemühte sich Fischer um eine Garnison in Aurich. Er erlebte es noch, als am 1. Oktober 1938 die 1. Kompanie der Marinenachrichtenabteilung mit klingendem Spiel auf dem Marktplatz aufzog. Mit der Garnisonwerdung setzte eine rege Bautätigkeit in Aurich ein. Nicht nur die Kasernen und andere militärische Objekte wurden errichtet, sondern auch Wohnungen für Offiziere und Unteroffiziere sowie Straßen, Ent- und Versorgungsanlagen. Auch das Blücherbad entstand in diesen Monaten. Fischer dachte auch an die kulturelle Versorgung der neuen Bürger. Er sorgte für eine Volksbücherei, ein Konzert- und Theaterabonnement. Eine breite Bautätigkeit in Aurich hatte aber schon viel früher eingesetzt. Mit staatlicher Unterstützung wurden vor allem Siedlungshäuser im Einheitsstil gebaut. Sie waren für diese Zeit charakteristisch und prägen noch heute das Bild einiger Auricher Straßen. In die Dienstzeit Fischers fiel auch der Pogrom vom 9./10. November 1938. Fischer streitet allerdings ab, irgend etwas damit zu tun gehabt zu haben. Im Juni 1939 wurde Fischer überraschend an eine größere Stadt (Belgard in Pommern, 17.000 Einwohner) abgeordnet. Im März 1948 kehrte Fischer aus Kriegsgefangenschaft und Internierungshaft zurück. Von 1949 bis 1951 war er Kreisgeschäftsführer des Zentralverbandes der Flüchtlingsarbeitsgemeinschaft des Kreises Aurich e. V. (ZvD). Auf der Liste des Bundes der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE) wurde er im Mai 1951 Mitglied des Niedersächsischen Landtages. Seine Fraktion wählte ihn im Oktober 1951 zum stellvertretenden Vorsitzenden und im November 1953 zum Vorsitzenden. Im Oktober 1954 legte er sein Mandat nieder. Kurt Fischer starb am 10.02.1991 in Hamburg.
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Hermann von Schleusen Hermann von Schleusen (1946 - 1964) Hermann von Schleusen war der erste ehrenamtliche Bürgermeister nach dem Zweiten Weltkrieg. Er wurde am 15. Juni 1879 in Aurich geboren. Sein Vater war der erste Photograph in Aurich. Der Sohn machte eine kaufmännische Lehre, diente als Soldat beim 78. Infanterieregiment, heiratete eine Gastwirtstochter und machte sich schließlich mit 24 Jahren selbständig. Im Hause Norderstraße 52 eröffnete er am 15. Juli 1903 ein "Tee- und Kolonialwarengeschäft". Im Jahr 1909 verlegte er es in das Haus Nordertor 40 (heute Norderstraße 33). Später stellte er mehr und mehr auf den Tabakwarenhandel und das Lotteriegeschäft um. Nachdem Hermann von Schleusen nach sechsjähriger Soldaten- und Gefangenenzeit aus dem Krieg zurückgekehrt war, erwachte in ihm das Interesse an der Kommunalpolitik. Er war, wie die meisten Auricher Geschäftsleute und Handwerker, national gesinnt. Aber einer Partei schloss er sich nicht an, er gründete vielmehr mit dem Gastwirt Brems und dem Klempnermeister Fischer eine "Unpolitische Liste der Auricher Bürgerschaft". Tatsächlich gelangten 1925 alle drei über diese Liste in die Stadtverordnetenversammlung. Dies wiederholte sich 1929. Ein Jahr später wurde von Schleusen sogar zum Bürgervorsteherwortführer gewählt, wie damals der Ratsvorsitzende hieß. Als 1933 zur ersten Kommunalwahl im Dritten Reich aufgerufen wurde, lehnte von Schleusen eine Aufstellung als Kandidat auf der Liste "Kampffront 'Schwarz-Weiß-Rot" ab, in der sich die Deutschnationalen, der Stahlhelm und andere rechte Gruppen vereinigt hatten. Von Schleusens frühere Kampfgefährten Brems und Fischer ließen sich dort eintragen. Brems wurde sogar Senator. Während der ganzen nationalsozialistischen Zeit blieb von Schleusen politisch abstinent. Dr. Anklam, der 1945 von den Besatzungsbehörden als hauptamtlicher Bürgermeister eingesetzt war, berief den inzwischen 66jährigen von Schleusen zu seinem Stellvertreter. Im Dezember wurde er außerdem zum Standesbeamten ernannt. Während Anklam 1946 von seinem Posten zurücktrat - als die neue zweigleisige Verwaltungsordnung eingeführt wurde - zog von Schleusen auf der Liste der CDU in den Rat der Stadt ein. Sogleich wurde er zum Bürgermeister gewählt. Diese Prozedur wiederholte sich 1950, 1951, 1952, 1953, 1956 und 1961, wobei die bürgerlichen Parteien hinter ihm standen (CDU, UWG, BHE). Bei seiner letzten Wahl 1961 war er bereits 82 Jahre alt. Trotzdem legte man die Geschicke der Stadt noch einmal in seine Hände - ein Beweis für seine außerordentliche Popularität. Am 15. September 1964 endete seine letzte Amtsperiode. Nur wenige Monate lebte er noch, er starb am 17. Februar 1965. Hermann von Schleusen war in einer Zeit zunächst des Mangels, dann großer wirtschaftlicher Umwälzungen Bürgermeister. Er war vielleicht der richtige Mann für diese Zeit. In ihm konnte man die Solidität der Vergangenheit wiedererkennen, nach der man sich besonders in den 50er Jahren zurücksehnte. Er war ein Mann des Übergangs.
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Hermann Hippen Hermann Hippen (1964 - 1978) Er gilt als einer der freundlichsten Bürgermeister der Stadt. Seine "ausgleichende und verständnisvolle Art", seine "offene und verständnisvolle Partnerschaft", seine "menschliche Wärme" und sein "freundliches und väterliches Wohlwollen" prägten ihn zu "einem Mann des Ausgleichs". Hermann Hippen stammt aus einem alten Auricher Handwerkergeschlecht. Er wurde 1907 in Aurich geboren, besuchte das Gymnasium bis zur mittleren Reife und machte eine kaufmännische Lehre. In der Wirtschaftskrise der 20er Jahre verlor er seine Arbeit in der Ausbildungsfirma. 1930 fand er eine Anstellung bei der Allgemeinen Ortskrankenkasse und dort blieb er dann bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1969 als Verwaltungsamtmann. Von 1939 bis 1946 war er Soldat und in Kriegsgefangenschaft. 1961 stellte er sich zum ersten Mal zur Wahl für das Stadtparlament (auf der Liste der SPD). Bis dahin hatte er sich hauptsächlich in Auricher Vereinen betätigt, so in der Sportvereinigung und der Feuerwehr. Nach seiner Wahl zum Ratsherrn wurde er sogleich zum Beigeordneten gewählt. Als Bürgermeister von Schleusen zurücktrat, wählte man Hippen zu seinem Nachfolger. In dieser Stellung blieb er bis zum 20. Juli 1978, gewählt zunächst von einer Koalition aus SPD und FDP, später genügten die Stimmen der zur absoluten Mehrheit gelangten SPD. Die 14 Jahre seiner Amtszeit fielen in die Zeit großer wirtschaftlicher Veränderungen und des sich ausbreitenden Wohlstandes. Große Baumaßnahmen fielen in diese Zeit: das Industriegebiet Süd (1972), das Hallenbad (1972), die Fußgängerzone (1974), das Berufsbildungszentrum (1975) und das neue Rathaus. Aber das größte Ereignis in Hippens Amtszeit war die Gemeindereform. Nach verhältnismäßig kurzen Beratungen entstand eine Stadt mit 34.000 Einwohnern und 21 Gemeinden. Hermann Hippen war bei den Beratungen von Anfang an dabei. Am 20. Mai 1972 wurde der Gebietsänderungsvertrag unterschrieben. Am 22. Oktober 1972 fand die erste Kommunalwahl für das größere Aurich statt. Hermann Hippen war ein Mann, der ein außerordentliches Vertrauen bei den Menschen der Stadt genoss. Bei seinem Rücktritt am 21. Juli 1978 wurde er mit Lob und Dank überhäuft. Der Bundespräsident verlieh ihm das Bundesverdienstkreuz; der niedersächsische Ministerpräsident den Niedersächsischen Verdienstorden. Nur ein halbes Jahr nach seinem Rücktritt, am 18. Februar 1979, verschied der allseits geachtete Bürgervater.
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Stadtportrait
Zahlen, Daten & Fakten Aurich in Kürze Bundesland: Niedersachsen Landkreis: Landkreis Aurich Geografische Lage: Koordinaten: 53° 28' 15" N, 7° 28' 59" O Höhe: 4 m ü. NN Fläche: 197,29 km² Einwohner: 42.579 (Stand: 30.09.2025; Quelle: Landkreis Aurich) Bevölkerungsdichte: 216 Einwohner je km² Postleitzahl: 26603, 26605, 26607 Vorwahl: 04941, 04947 Kfz-Kennzeichen: AUR Gemeindeschlüssel: 03 45 20 01 Stadtgliederung: 21 Ortsteile Adresse der Stadtverwaltung: Bgm-Hippen-Platz 1, 26603 Aurich Telefon-Nr.: 04941/12-0 E-Mail-Adresse: info@stadt.aurich.de Website: www.aurich.de Stadtgliederung Stichtag: 31.12.2025 (Quelle: Stadt Aurich) Aurich Kernstadt 13.855 Brockzetel 333 Dietrichsfeld 778 Egels 1.766 Extum 2.251 Georgsfeld 584 Haxtum 1.982 Kirchdorf 1.388 Langefeld 405 Middels 1.255 Pfalzdorf 240 Plaggenburg 1.482 Popens 1.948 Rahe 545 Sandhorst 4.509 Schirum 1.428 Spekendorf 406 Tannenhausen 1.897 Walle 2.649 Wallinghausen 3.428 Wiesens 1.423 Standesamtliche Daten 2025 Eheschließungen: 146 Geburten: 1.238 Sterbefälle: 806 Kirchenaustritte: 359 Steuersätze Gewerbesteuer 400 % Grundsteuer A 420 % Grundsteuer B 368 % Abwasserbeseitigung Die Stadt Aurich betreibt eine zentrale öffentliche Abwasseranlage und dezentrale öffentliche Abwasseranlage als öffentliche Einrichtung nach Maßgabe der Abwasserbeseitigungssatzung der Stadt Aurich. Die Gebührensatzungen können Sie hier nachlesen: Satzung der Stadt Aurich über die Erhebung von Gebühren für die Beseitigung von Abwasser aus Grundstücksabwasseranlagen (Gebührensatzung für die dezentrale Abwasserbeseitigung) [PDF] Satzung der Stadt Aurich über die Erhebung von Beiträgen, Gebühren und Kostenerstattungen für die Schmutzwasserbeseitigung (Abgabensatzung für die zentrale Schmutzwasserbeseitigung) [PDF] Straßenreinigungsgebühren Die Reinigungsgebühr beträgt jährlich je Meter Berechnungsfaktor in Reinigungsklasse A (Reinigung mindestens viermal wöchentlich) 5,76 € Reinigungsklasse B (Reinigung mindestens zweimal wöchentlich) 2,88 € Reinigungsklasse C (Reinigung mindestens einmal wöchentlich) 1,44 € Reinigungsklasse D (Reinigung mindestens einmal in zwei Wochen) 0,72 € Die Gebühren der Stadt Aurich werden jährlich neu kalkuliert und vom Rat durch Beschluss festgesetzt. Die Straßenreinigungsgebührensatzung können Sie hier nachlesen: Straßenreinigungsgebührensatzung der Stadt Aurich [PDF] Hundesteuer Die Hundesteuer beträgt jährlich für den 1. Hund 60,00 € den 2. Hund 120,00 € jeden weiteren Hund 180,00 € einen gefährlichen Hund 600,00 € jeden weiteren gefährlichen Hund 700,00 € Die Hundesteuersatzung können Sie hier nachlesen: Hundesteuersatzung der Stadt Aurich [PDF] Zweitwohnungsteuer Die Stadt Aurich erhebt eine Zweitwohnungsteuer. Gegenstand der Steuer ist das Innehaben einer Zweitwohnung im Stadtgebiet. Satzung über die Erhebung einer Zweitwohnungsteuer in der Stadt Aurich [PDF] Zweitwohnungssteuer - Datenschutzerklärung [PDF] Versorgung und Entsorgung Entwässerung Name Adresse Kontakt Entwässerungsverband Aurich Am Pferdemarkt 1 26603 Aurich Tel. (04941) 95 25 0 Wasserversorgung Name Adresse Kontakt Oldenburg-Ostfriesischer Wasserverband Georgstraße 4 26919 Brake Tel. (04401) 916-0 Kundenservice: 0800 - 1801201 Abfallentsorgung Name Adresse Kontakt MKW GmbH & Co. KG Abfallwirtschaftsbetrieb Landkreis Aurich Holtmeedeweg 6 26629 Großefehn Abfallberatung: Tel. (04941) 16 - 70 70 Abfuhr- und Containerdienst: Tel. (04941) 16 - 77 77
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