frauenORT Aurich

Bereits seit 2016 besteht eine Initiative aus dem Historischen Museum Aurich, der Ostfriesischen Landschaft, der Volkskundlerin Dr. Hedwig Hangen und der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Aurich, Birgit Ehring-Timm, die sich mit der Einrichtung eines frauenORTs Aurich befasst. Ende 2017 wurde die Entscheidung getroffen, dass Aurich frauenORT werden und den Namen Ingrid Buck tragen soll.

Ingrid Buck war Ostfrieslands erste und einzige Landschaftsrätin. Mit Engagement, Disziplin, Weitblick und Mobilität überwand sie die Grenzen der traditionellen Frauenrolle. Sie hat es verstanden, sich ohne Studium als Frau in den Forschungsstand einer Wissenschaft einzuarbeiten und dazu beizutragen, dass die ostfriesische Volkskunde mit modernen Methoden zu neuen Erkenntnissen geführt wurde und jenseits von Heimattümelei einen zeitgemäßen Platz in der europäischen Wissenschaft einnahm. Sie leistete einen wesentlichen Beitrag zu unserer musealen Kulturlandschaft, die in Niedersachsen als vorbildlich gilt. Seit 1968 war Ingrid Buck Leiterin der Arbeitsgruppe Volkskunde und wurde am 8. Juni 1968 zur ersten und bis heute einzigen Landschaftsrätin gewählt.

Der Landesfrauenrat Niedersachsen e. V. entschied positiv über den Antrag und am 08. Juni 2018 war es dann soweit: Der frauenORT Ingrid Buck wurde eingeweiht. Beginnend mit einem Stadtrundgang wurde der frauenORT im Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft feierlich eröffnet. Zahlreiche Gäste wohnten der Veranstaltung bei.

Informationen zur Person von Ingrid Buck

Ingrid Buck 1960

Ingrid Buck wurde am 10. Dezember 1913 als älteste von drei Töchtern der Familie Irmgard und Dr. Albrecht Neddersen in Aurich geboren. Ihr Vater arbeitete seit 1910 als praktischer Arzt und Chirurg in Aurich. Ihr Elternhaus stand am Ostertor. Ingrid Buck besuchte die Stadtschule an der Kirchstraße und anschließend die Höhere Töchterschule an der Stiftsmühle. Ihre weitere schulische und berufliche Entwicklung war traditionell vorgegeben. Mit 16 ging sie für ein Jahr in ein Mädchenpensionat, bereitete sich anschließend auf einer Landwirtschaftlichen Frauenschule auf die Führung eines Haushaltes vor und konnte erst danach ihren eigenen Berufswunsch verfolgen, sich zur Sportpädagogin auszubilden.

1936 heiratete sie den Landgerichtsrat Ernst-August Buck. Das Ehepaar wohnte an der Eschener Allee. Seit 1939 stand ihr Ehemann als Reserveoffizier an der Ostfront, wo er 1944 in einem Kriegslazarett starb. Zu Kriegsende war Ingrid Buck 31 Jahre alt, Kriegerwitwe und alleinerziehende Mutter. Anfang der 50er Jahre nahm sie an einem Heimatpflege-Lehrgang in Dreibergen teil. Bis zu ihrem Lebensende arbeitete sie ehrenamtlich bei der Ostfriesischen Landschaft.

Die Ostfriesische Landschaft hatte sich 1949 eine neue Verfassung gegeben. Ziele waren die demokratische Erneuerung und deutliche Abkehr von den Gedanken des Nationalsozialismus. Die Neuorientierung sollte alle Gebiete der Kulturpflege erfassen. Für die Arbeitsgruppe Volkskunde und Brauchtum wurden 30 bis 40 ehrenamtliche Mitarbeiter gewonnen.

Ingrid Buck pflegte Kontakte zur Universität Münster und reiste 1954 nach Schweden an die Universitäten in Göteborg, Uppsala und Stockholm. Sie entwickelte Fragebögen, ließ sie in ganz Ostfriesland beantworten, wertete sie aus, dokumentierte und präsentierte die Ergebnisse. Ihre Leistung liegt in einem volkskundlichen Archiv, das neben der Dokumentation der Arbeits- und Lebenswelt in Ostfriesland auch eine Sammlung alltagsgeschichtlicher Gegenstände beinhaltet. Presse und Rundfunk berichteten regelmäßig über die Arbeitsgruppe. Ingrid Buck hielt Vorträge u. a. vor Heimatvereinen, Landfrauenvereinen und Kirchenkreisen. Sie vertrat Ostfriesland auf Tagungen der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde sowie beim Norddeutschen Altertums- und Geschichtsverein. Ihr Wissen stellte sie anderen bereitwillig zur Verfügung. Sie bearbeitete Anfragen aus der Bevölkerung innerhalb und außerhalb Ostfrieslands bis hin nach Amerika. Sie unterstützte Examensarbeiten und Publikationen und publizierte auch selbst.

In Aurich blieb ihr Engagement nicht auf die Brauchtumspflege beschränkt, sondern reichte in die Stadtpolitik hinein. Sie war Mitglied im Heimatverein, trat ein für den Erhalt der Stiftsmühle und für die Einrichtung des Mühlenfachmuseums. Sie war Mitglied im Museumsverein Aurich/Ostfriesland e. V., der für die Gründung des Historischen Museums Aurich an der Burgstraße sorgte. 1988 wurde Ingrid Buck mit der Ubbo-Emmius-Medaille ausgezeichnet, am 28. Mai 1988 in Bad Iburg durch Ministerpräsident Dr. Ernst Albrecht für ihr ehrenamtliches Engagement geehrt. Das Amt der Landschaftsrätin hatte sie bis 1988 inne. Ingrid Buck starb am 15. Mai 1996 im Alter von 82 Jahren und wurde auf dem städtischen Friedhof Aurich bestattet.