Nachdem die biologische Reinigung in den Vorjahren bereits im Rahmen verschiedener Baumaßnahmen auf den zukünftigen Bedarf ausgebaut wurde, startet die Stadt Aurich jetzt mit dem Bau eines zweiten Faulturms für die Kläranlage Aurich-Haxtum. Am Donnerstag, dem 6. August 2026, fand hierzu der symbolische Spatenstich statt. Mit einem Fassungsvolumen von 2 100 m³ und einer Höhe von 16,70 m wird der neue Turm die vorhandene Faulkapazität verdoppeln und die wachsende Klärschlammmenge aus der Abwasserreinigung nachhaltig behandeln. Durch diese Maßnahme wird die Kläranlage Aurich‑Haxtum nicht nur den zukünftigen Anforderungen an die Schlammbehandlung gerecht, sondern arbeitet zudem energieeffizienter und erzeugt weniger CO₂.
Warum die Kläranlage wichtig ist
Die Anlage verarbeitet täglich rund 9 000 m³ Schmutzwasser – das entspricht einer Jahresmenge von etwa 3,3 Millionen m³. Dabei wird die Belastung mit 68 500 Einwohnerwerten angegeben, obwohl die eigentliche Einwohnerzahl der Stadt Aurich bei ca. 45 000 Personen liegt. Dieser Unterschied entsteht, weil die industrielle und gewerbliche Abwasserbelastung in Einwohner‑Äquivalente umgerechnet werden. Die Einbeziehung dieser zusätzlichen Lasten stellt sicher, dass die Anlage auch bei hohem Gewerbeaufkommen die gesetzlichen Grenzwerte einhält und das Gewässernetz zuverlässig schützt.
Notwendigkeit des zweiten Faulturms
Durch die Erschließung neuer Baugebiete und die Erweiterung von Gewerbeflächen steigt die Menge des zu behandelnden Schmutzwassers kontinuierlich an. Der bereits bestehende Faulturm ist seit 1963 im Betrieb. Der zweite Turm ermöglicht die Faulung des Überschussschlamms, der derzeit noch der Klärschlammvererdungsanlage zugeführt wird. Der zweite Turm erzeugt zusätzliches Faulgas und erhöht damit die Eigenstromproduktion im Blockheizkraftwerk um rund 44 % (von 1 585 000 kWh/a auf 2 235 500 kWh/a).
Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf 11,1 Millionen Euro, wovon 1.644.796,00 Euro durch das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert werden.
Mit dem zweiten Faulturm wird die Kläranlage Aurich‑Haxtum ihre Kapazität von 2 100 m³ auf 4 200 m³ Faulvolumen erweitern, das Gasspeichervolumen von 400 m³ auf 1 500 m³ erhöhenund die jährliche Faulgasproduktion auf 1 033 900 m³ steigern. Das Projekt beinhaltet nicht nur den Neubau eines Faulturms, sondern auch den Bau eines 1 500 m³-Gasspeichers, eines Betriebsgebäudes mit integrierter Energiezentrale sowie die Erschließung des Erweiterungsgeländes der Kläranlage. Dazu gehören die Verkehrswege, die Entwässerung und Regenrückhaltung. Die Planung und Bauüberwachung obliegen dem Ingenieurbüro Born Ermel, während die Erschließungsarbeiten nach einer europaweiten Ausschreibung von der ARGE van der Linde – Herfeld – Kerker durchgeführt werden. Weitere Gewerke befinden sich derzeit im Ausschreibungsverfahren, teils europaweit, teils national.
Im Detail umfasst das Vorhaben:
- Faulturm: 16,70 m hoch, 14,60 m Durchmesser, Gesamtvolumen 2 100 m³, zur Faulung von Überschuß-Schlamm
- Betriebsgebäude mit Technikraum für Pumpen zur Rezirkulation und Schlammbeschickung, Gasraum für die Faulgasreinigung, BHKW-Raum für fünf Blockheizkraftwerke und die Wärmeverteilung, E-Schaltraum für die Niederspannungsschaltanlage sowie Automatisierungstechnik, Treppenturm, der den Zugang zum Faulbehälter ermöglicht, Gasspeicher mit 1 500 m³ Fassungsvermögen und einer Not-Fackel als Sicherheitseinrichtung
- Neue BHKW-Anlage und ergänzende Faulgasreinigung
- Elektro-Mess- und Regeltechnik nach dem Stand der Technik
„Der Faulturm ist mehr als ein technisches Bauwerk: Auf 573 m² Betriebsfläche beherbergt er modernste Anlagen, die pro Jahr mehrere tausend Tonnen Schlamm aus der Abwasserreinigung verarbeiten und daraus Gas gewinnen – genug, um den jährlichen Wärme- und Strombedarf der Kläranlage und zum Teil den Bedarf des Familien- und Wohlfühlbades De Baalje zu decken“, sagt Mirko Wento, Stadtbaurat der Stadt Aurich.
Horst Feddermann, Bürgermeister der Stadt Aurich fasst zusammen, „Das Projekt kombiniert Abwasserreinigung, Biogaserzeugung und Energieumwandlung in einer Anlage. Es stärkt die Ver- und Entsorgungssicherheit unserer Stadt, reduziert Treibhausgasemissionen und unterstützt die langfristige Energieautarkie der kommunalen Infrastruktur – ein wichtiger Schritt in diesen besonderen Zeiten des Klimawandels und der wachsenden Energieunsicherheit.“
Auf dem Foto zu sehen sind (v.l.n.r): Sven Fehrenbach (Bauleitung der Fa. Kerker), Martin Stäber (Geschäftsführung der Fa. Herfeld), Mirko Wento (Stadtbaurat der Stadt Aurich), Horst Feddermann (Bürgermeister der Stadt Aurich), Antje Harms (Ortsbürgermeisterin des Ortsrates Extum/Haxtum/Kirchdorf/Rahe), Ehlke Ubben (Fachdienstleiter der Stadtentwässerung), Jens Hinrichs (Geschäftsführung und Bauleitung der Fa. van der Linde), Adelbert Lühring (Büroleiter Standort Aurich des Ing-Büro Dr. Born und Dr. Ermel), Mareke Kruse (Planung und Bauoberleitung Standort Aurich des Ing-Büro Dr. Born und Dr. Ermel), Dieter Behrends (Abwassermeister und Betriebsleitung der Kläranlage Aurich-Haxtum).<
Foto: Stadt Aurich