Gemeinsame Pressemitteilung des Landkreises Aurich, der Stadt Aurich und der Gemeinde Südbrookmerland
Als nächster Schritt im laufenden Dialog zur Reaktivierung des Schienenpersonennahverkehrs zwischen Aurich und Emden besichtigten Vertreter des Landkreises Aurich, der Stadt Aurich, der Gemeinde Südbrookmerland, der Lenkungsgruppen-Vertreter der gegründeten Bürgerinitiative, dem Verein „Aurich - ran an die Bahn“ sowie der Eisenbahninfrastrukturgesellschaft Aurich-Emden am Mittwoch, den 15. April 2026, gemeinsam die bereits erfolgreich reaktivierte Bahnstrecke Bad Bentheim–Nordhorn Neuenhaus. Ziel der Fahrt war es, Erfahrungen aus einem abgeschlossenen Reaktivierungsvorhaben und neue Impulse für die Reaktivierung des Schienenpersonennahverkehrs zwischen Aurich und Emden zu gewinnen.
Gastgeber vor Ort war Herr Joachim Berends, Vorstand der Bentheimer Eisenbahn AG, der die Gruppe durch Bad Bentheim, Nordhorn und Neuenhaus führte und aus erster Hand über Planung, Umsetzung und Betrieb der Strecke berichtete. Im Rathaus Nordhorn ergänzten Bürgermeister Thomas Berling sowie spontan und ungeplant Herr Harald Krebs, ehemaliger Wirtschaftsförderer des Landkreises Leer und Ratsmitglied der Stadt Nordhorn, das Programm mit Einblicken in die regionalwirtschaftliche Entwicklung im Zuge der SPNV-Reaktivierung in der Grafschaft Bentheim. Die Bahnanbindung wird dabei als wesentlicher Treiber einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung der gesamten Region gesehen – flankiert durch eine zielgerichtete Förderpolitik und eine breite gesellschaftliche Akzeptanz.
Unsere Gastgeber vermittelten neue Aspekte und wertvolle Einblicke, insbesondere zu den Themen Lärmschutz, Gestaltung von Bahnübergängen und Einbindung der Anwohner. Deutlich wurde, dass eine sorgfältige Detailplanung im direkten Dialog mit den Betroffenen zu individuellen und praxisnahen Lösungen führen kann. Die Teilnehmer nutzten die Gelegenheit intensiv, um jene Fragen einzubringen, die die Bürgerinnen und Bürger vor Ort, insbesondere in der Gemeinde Südbrookmerland, unmittelbar bewegen. Unsere Ansprechpartner beantworteten diese auf Grundlage ihrer langjährigen praktischen Erfahrungen fundiert und praxisnah.
Die gewonnen Anregungen werden nun in weitere Beratungen des Runden Tisches einfließen. Die Delegation betonte den Wert eines solchen Vor-Ort-Termins, um theoretische Planungen mit Erfahrungswerten abzugleichen. Ziel bleibt eine fundierte Entscheidungsgrundlage, die sowohl die Chancen als auch die Auswirkungen der geplanten Reaktivierung umfassend berücksichtigt.
Horst Feddermann, Bürgermeister der Stadt Aurich, sagt im Rückblick auf die Informationsfahrt: „Die Fahrt nach Nordhorn hat gezeigt, dass eine erfolgreiche Reaktivierung möglich ist, wenn alle Beteiligten konstruktiv zusammenarbeiten und Lösungen im Dialog entwickelt werden. Diese Erfahrungen nehmen wir als wichtigen Impuls für unseren eigenen Prozess mit.”
Thomas Erdwiens, Bürgermeister der Gemeinde Südbrookmerland, wendet ein: „Die Informationsfahrt war aufschlussreich und hat gezeigt, dass die Reaktivierung der Bahnstrecke in der Grafschaft Bentheim offenbar ein gelungenes Projekt darstellt. Gleichwohl bin ich der Auffassung, dass die dortigen Rahmenbedingungen und Voraussetzungen mit den hiesigen Gegebenheiten nicht vergleichbar sind. Die Strecke zwischen Aurich und Emden stellt uns vor wesentlich komplexere Herausforderungen mit wesentlicheren Auswirkungen, die uns vor weitaus höheren Hürden zur beabsichtigten Reaktivierung der Strecke Emden-Aurich stellen.“
Olaf Meinen, Landrat des Landkreises Aurich, erklärt: „Die Erfahrungen aus der Grafschaft Bentheim zeigen, dass eine Bahnreaktivierung ein echter Gewinn für die Entwicklung einer ganzen Region sein kann. Sie eröffnet große Chancen für eine bessere Anbindung, mehr klimafreundliche Mobilität und neue Impulse für die wirtschaftliche Entwicklung. Wenn wir diese Gelegenheit nicht wahrnehmen, lassen wir diese Möglichkeiten ungenutzt. Wer heute auf eine Reaktivierung verzichtet, verzichtet auch auf zusätzliche Potenziale bei Standortqualität, Erreichbarkeit und Wachstum. Mein Appell ist, die Reaktivierung der Bahnstrecke nicht allein aus der Perspektive der eigenen Betroffenheit zu bewerten, sondern auch die Chancen für die gesamte Region Aurich/Emden in den Blick zu nehmen. Es geht hier um eine wichtige Zukunftsentscheidung. Deshalb sollten wir offen darüber sprechen, wie wir die Vorteile einer Reaktivierung nutzen und berechtigte Anliegen zugleich berücksichtigen können.“
Hintergrund: Reaktivierung der Bahnstrecke Bad Bentheim–Nordhorn–Neuenhaus
Mit der Inbetriebnahme des „Regiopa Express“ (RB 56) im Juli 2019 beendete die Bentheimer Eisenbahn eine 45-jährige Ära ohne regelmäßigen Personenverkehr in der Region. Nach rund zweijähriger Bauzeit wurde die gesamte Strecke zwischen Bad Bentheim und Neuenhaus umfassend modernisiert, neue Haltepunkte geschaffen und die Infrastruktur inklusive der Werkstatttechnik auf modernsten Stand gebracht. Die ursprünglich prognostizierten Fahrgastzahlen von 1.700 Reisenden täglich wurden seither mit durchschnittlich rund 2.200 Fahrgästen übertroffen. Diese erfolgreiche Reaktivierung steigert die Mobilität sowie die Lebensqualität vor Ort erheblich und wurde durch Auszeichnungen als „Bahnhof des Jahres“ für Bad Bentheim (2019) und Nordhorn (2023) auch bundesweit als Vorzeigeprojekt gewürdigt.
Das Foto zeigt die Delegation vor dem Rathaus der Stadt Nordhorn im Rahmen der Informationsfahrt zur reaktivierten Bahnstrecke (Foto: Stadt Aurich).