
Historisches Museum Aurich
Ein würdiges Haus
Die Auricher "Alte Kanzlei" als Spiegelbild der Auricher Geschichte
von Brigitte Junge
Nachdem die Reformation auch in Ostfriesland Einzug gehalten hatte, ließ Graf Johann 1529 die Klosterkirche in Ihlow abbrechen und baute sich aus diesen Steinen ein Haus. 1539 verliehen die Grafen Enno II. und Johann der Stadt Aurich das Stadtrechtsprivileg. Darin wurde den Bürgermeistern aufgetragen, ein "Wynhues zu setzen". Als Graf Johann 1540 auf die Mitregentschaft verzichtete und Ostfriesland verließ, verkaufte er sein Stadthaus für 1000 Taler an seine Schwägerin Gräfin Anna. Diese stellte es der Stadt als "Rat- und Weinhaus" zur Verfügung.

- Eine der wenigen Ansichten Aurichs, die den Zustand der Stadt im Biedermeier zeigt
1561 verlegte Edzard II. die gräfliche Residenz von Emden nach Aurich. Die Kanzlei blieb zunächst in Emden, bis die Auricher Bürgerschaft darum bat, dieses Amt nach Aurich zu holen. Dies geschah, wohl mehr als Folge der Emder Revolution, zwischen 1601 und 1609. Erster Auricher Kanzler war Thomas Franzius. Die Landesherrschaft beanspruchte das an die Stadt verpachtete Gebäude für sich, und das Rathaus zog in ein Gebäude an der Burgstraße/Ecke Marktplatz.
1611 wurde Dothias Wiarda zum Kanzler ernannt. Er erhielt freie Wohnung auf dem "Weinhaus in Aurich" und amtierte hier bis zu seinem Tode 1637. Die "Alte Kanzlei" blieb seitdem Dienstwohnung für höhere Beamte und für mehr als 250 Jahre Landratsamt. Wiarda bemerkte dazu: "Später ist die Canzelei in das nächst dabei stehende, ebenfalls große Haus und demnächst aufs Schloß verlegt...
Dieses letztere wurde 1708 der Madame von Sandhorst (Fürsten Christian Eberhards zur linken Hand angeheiratheten Gemahlin) zur Wohnung eingeräumt. Es heißt daher noch jetzt Madameshaus, oder auch die alte Canzelei. Nachher unter preußischer Regierung, wurde dieses Haus dem Canzler zur Wohnung zugewiesen.
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