
Historisches Museum Aurich
Das Auricher Museum - Ein langer Weg
Am 5. Juli 1985 wurde das Historische Museum Aurich gegründet: 100 Jahre Traum - 20 Jahre Wirklichkeit
Von Werner Seebo

Als Idee ist das Auricher Museum mehr als ein Jahrhundert alt, als Wirklichkeit gerade einmal zwanzig Jahre. Den Reigen der Entwürfe eröffnet ein geradezu exotisches Angebot aus den "Staaten". Albert Stockvis, Teilhaber der Fair Gold Mining Company zu San Francisco, schreibt an die Stadt: "Ich habe die Absicht, in Aurich ein historisches - ethnographisches Museum zu gründen und der Stadt als Grundstock hierzu eine Münzsammlung, Briefmarken, Photos aus allen Ländern, später Haushaltungs-, pp. Gegenstände aus China, Siam, Japan etc. zu schenken unter der Bedingung, dass die Stadt binnen Monatsfrist nach Erhalt der Exponate das Museum einrichtet und auf Dauer unterhält."
In der Weimarer Zeit wird das Museum zum Projekt des 1921 gegründeten Heimatvereins Aurich. Um den drohenden Ankauf von ausstellungswürdigen Gegenständen durch Händler zu unterbinden, beschließt der Heimatverein am 12. Juni 1923, die Museumsgründung energisch zu betreiben und eine geeignete Unterkunft zu erwerben. Ab 1924 verhandelt man jahrelang über den Ankauf des Antonius-Hauses von 1675 an der Schulstraße.
Doch die eigenen Mittel reichen nicht. Schließlich beehrt man sich 1926, an das Provinzialmuseum in Hannover, das eine staatliche Betreuungsfunktion für die kleineren Museen der Provinz versieht, die ganz ergebenste Anfrage zu richten, "ob Sie uns vielleicht eine Quelle zu nennen in der Lage sind, die uns mit einen Zuschuss voraussichtlich zu Hilfe zu kommen geneigt sein dürfte", und muss folgende Antwort über sich ergehen lassen:

- Dietmar Dunkmann war erster Vorsitzender des Heimatvereins nach dem Krieg. Er griff die Idee eines Museums für Aurich wieder auf
"Eine von Ihnen gewünschte Unterstützung könnte weder das Provinzial-Museum noch der Herr Oberpräsident geben, sondern allein die Provinzialverwaltung. Dem steht aber der Beschluss eines Provinziallandtages entgegen, nach dem neu zu gründende oder neu gegründete Museen nicht unterstützt werden sollen, sondern nur ganz bestimmte ältere Museen. Dieser Beschluss ist auf die unerfreuliche Erfahrung bei Neugründungen zurückzuführen, wo größere Mittel zur Verfügung gestellt wurden, wo aber der ganze Gedanke meist mit dem Tode seines Vaters erstarb..."
Damit erstarb in Aurich zwar nicht der Gedanke, aber jeglicher Elan. Die 1933 einsetzende NS-Diktatur, die der Heimatverein äußerlich gleichgeschaltet, innerlich mit einer eigentümlichen Mischung aus Anpassung und Renitenz überstand, sowie der Zweite Weltkrieg bewirkten, dass die eintretende Pause zwei Jahrzehnte dauerte.
Als der Heimatverein 1946 unter seinem Vorsitzenden Dietmar Dunkmann die Arbeit wieder aufnimmt, beginnt für das Projekt "Heimatmuseum" auch sogleich ein neuer Anlauf in neuer Zeit.

"Ein Heimatmuseum für Stadt und Kreis Aurich", unter diesem Titel erscheint am 19. Oktober 1949 in den Ostfriesischen Nachrichten ein Aufruf von Dr. Hugo Lübeß, Lehrer am Ulricianum. Darin entwickelt dieser als Beauftragter des Heimatvereins Mit heißem Herzen, in der Sache jedoch durchdacht und professionell die Umrisse einer zukunftweisenden Conzeption für die geplante Instituion:
"Nachdem alle wichtigeren Städte Ostfrieslands eigene Museen schon vor langer Zeit begründeten und inzwischen weitgehend ausbauen konnten, soll nunmehr auch in der Hauptstadt Ostfrieslands, am Sitze der Regierung und der Ostfriesischen Landschaft eine Stätte geschaffen werden, in der das Leben des mittleren der ostfriesischen Kreise und damit vor allem der ostfriesischen Geest dargestellt werden soll, und zwar in allen seinen Seiten: in der Kunde von seinem Boden, in seiner Urgeschichte, seiner Geschichte, seiner Wohnkultur, seinem Schrifttum, seiner Pflanzen- und Tierwelt, seinem Brauchtum, Bauerntum, Aufbau in Verwaltung und Schulleben, Handwerk usw.
Dass die Kunst und das Kunsthandwerk der Gegenwart besonders gepflegt werden sollen, und zwar vor allem durch kurzfristig wechselnde Ausstellungen in dem größten der geplanten Räume, ist selbstverständlich.
Mit der Schaffung eines Auricher Heimatmuseums soll auch in letzter Minute ein Versäumnis früherer Zeiten ausgeglichen werden: es ist bisher versäumt worden, ein Haus zu schaffen, in dem das Leben und die Kultur der Vergangenheit unserer Stadt und unseres Kreises so dargestellt sind, dass ein anschauliches Bild von ihnen für alle Zeiten, also für unsere Jugend und alle künftigen Generationen ersteht und überliefert wird. [...]

Das Museum soll niemals eine zufällige Sammlung von Kuriositäten aus früheren Zeiten - wir alle erinnern uns noch mit Schrecken solcher verstaubten Rumpelkammern! -werden, sondern das Leben widerspiegeln. Es wird deshalb alle seine Darstellungen bis in die Gegenwart hinein fortführen [...], kurz, es wird ein Museum nach modernen Grundsätzen der musealen Arbeit werden.

- Im Museum zu sehen. Das Ostfriesische Wappen (17. Jahrhundert, geschnitzt aus Eichenholz)
Das Heimatmuseum wird nun endlich die Stelle sein, an die sich jeder im Kreis wenden kann, der für Altertümer interessiert ist, Auskunft zu erhalten wünscht in solchen Dingen, ja vielleicht sogar Funde in Moor und Feld, altes Gerät und dergleichen abliefern will, damit sie der Öffentlichkeit, vor allem unserer Jugend zugänglich gemacht werden, denn ein gutes Heimatmuseum ist eine hervorragende Ergänzung unseres Unterrichts.
So kann und soll unser Auricher Museum Mittelpunkt heimatkundlicher Forschung in unserem Kreise Aurich werden, soweit nicht das Staatsarchiv, mit dem das Museum eng zusammenarbeiten wird, zuständig ist. Wie alle volkskundlichen Museen wird auch unser Heimatmuseum auf diese Weise der späteren Wissenschaft dienen, für die zu sammeln und zu erhalten, was zu verschwinden droht, unsere ernste Verpflichtung ist. [...]
Und dann die wohl für manche überraschende Planung: es soll ein botanischer Garten entstehen für unsere ostfriesische Pflanzenwelt, und zwar insbesondere für die Pflanzen unserer Auricher Geestlandschaft und vor allem damit auch der umliegenden Moore.
Zurück zur Übersichtsseite "Historisches Museum"






Zurück
zum Seitenanfang
Drucken
Senden