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Historisches Museum Aurich
Auricher Geschichte im Museum
Licht in das Dunkel früherer Ereignisse / Kleine Geschichte des Auricher Museums
Von Brigitte Junge

Ubbo Emmius, der Historiker Ostfrieslands, schrieb 1598: "Denn wer weiß nicht, dass die Unkenntnis der Vergangenheit (es ist diese, über die ich in diesem Teil schreibe, entweder niemanden oder nur wenigen in der Stadt bekannt) oft zu großen Irrtümern in der Gegenwart führt und dass aus Irrtümern Streitigkeiten und Hass und daraus viele andere Übel entstehen? Diesen scheint der abzuhelfen, der von den früheren Ereignissen das Dunkel nimmt und ihre Kenntnis den Menschen wieder vermittelt."
Als mit dem neuen Kreishaus am Fischteichweg das Landratsamt frei wurde, konnte das Museum einziehen und 1985 im Vorderhaus eröffnet werden. 1993 wurde mit Unterstützung des Landes Niedersachsen ein neuer Verwaltungstrakt und ein museumspädagogischer Raum eingerichtet. 1996 folgte die erste Erweiterung der Dauerausstellung zunächst mit Mitteln der niedersächsischen Sparkassenstiftung. Das Ziel rückte näher:
Schließlich konnte mit Hilfe einer größeren Landeszuwendung 1998 das gesamte Museum nach neuem Konzept neu gestaltet und nochmals räumlich erweitert werden. Seither präsentiert sich das Historische Museum Aurich mit seinen mittlerweile zwar weiterentwickelnden jedoch grundsätzlich bis heute so gebliebenen Schaubereichen.

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Die dritte Erweiterung brachte dann 2001 den neuen Eingangsbereich mit Museumsshop und das MachMit-Museum im Ergeschossanbau. Grundlage für das Historische Museum war ein Konzeptentwurf, dem zufolge Themen der Siedlungs-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der mittelostfriesischen Geest und ihres Zentrums, der alten Residenzstadt Aurich, dargestellt werden sollten. Damit hatte der Verfasser Dr. Hajo van Lengen dem Museumsverein nicht nur die wissenschaftlichen Kenntnisse zur Verfügung gestellt sondern das Museum von Anbeginn in den Verbund der ostfriesischen Museen eingebettet. Mit seinen Schwerpunkten "Geestkultur" und "Residenz" sollte das neue Auricher Museum eine bis dato bestehende Lücke schließen, was van Lengen als für das Verständnis Ostfrieslands unverzichtbar deklarierte.
Die Stadt Aurich stellte mit der "Alten Kanzlei", der musealen Präsentation einen angemessenen Ort zur Verfügung. Überdies wurde der Anbau für die nahe Zukunft als ergänzende Fläche in Aussicht gestellt. Eingerichtet wurde das Museum zunächst im Hauptgebäude. Die Arbeitsgruppen des Vereins stellten hier auf ca. 190 Quadratmetern Fläche die Schaubereiche aus: Landeskunde mit Blick auf die Kirchen, Ur- und Frühgeschichte, Stadtwerdung, Bürgerliche Wohnkultur, Handel, Gewerbe und Verkehr, Conrad Bernhard Meyer, ein Baumeister der Stadt.
Das Dachgeschoss war für wechselnde Sonderausstellungen vorgesehen. Der Eröffnung folgten Jahre der Praxis: Das Museum präsentierte sich der Bevölkerung mit wechselnden Ausstellungen. Mit ihnen kamen neue Gegenstände ins Haus, von denen viele in die Dauerausstellung eingefügt wurden.

Am Anfang stand die Bestandsaufnahme: Die vorhandene Ausstellung und die Sammlungsgegenstände wurden gesichtet. Dazu gehörten auch die Dokumentationen bisheriger Ausstellungen sowie Exponate, die zu den Leihgebern zurückgewandert waren. Die Besucherresonanz auf die historischen Themen wurde erkundet. Die in Zukunft zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten wurden auf ihre Verwendbarkeit geprüft.
Daraufhin wurde in Rücksprache mit den Fachleuten auf den Seiten der Wissenschaft, der Architektur und der Gestaltung ein inhaltliches und räumliches Wunsch-Konzept entwickelt und vom Vorstand am 22. Juni 1992 verabschiedet.
Grundlegende Entscheidungen aus dem Konzept von 1992
Im Herbst 1992 begannen die Umbaumaßnahmen mit dem Verwaltungstrakt. Für die Umsetzung des neuen Museumskonzeptes mussten zuvor die dazu nötigen Finanzmittel beschafft werden.

Nach Abschluss der Maßnahme in drei Schritten sollte sich das Museum schließlich auf einer Fläche von ca. 540 Quadratmetern präsentieren können. Zudem sollte für Fachvorträge und Seminare ein Veranstaltungsraum mit etwa 60 Quadratmetern Grundfläche entstehen.
Die Herausforderung lag in der didaktischen Entscheidung für ein historisches Museum in Abgrenzung zu einem Heimatmuseum. Das "Historische Museum Aurich" sollte die Schwerpunkte Geschichte der mittelostfriesischen Geest einerseits sowie die Geschichte der Residenzstadt Aurich andererseits behalten.
Räumliche Enge und das nicht immer zu lösende Zusammenspiel zwischen Exponat und konzeptgemäßer Aussage hatten an einigen Stellen der Ausstellung zu Kompromissen geführt; diese sollten beseitigt werden. Hierzu gehörte auch die museumsdidaktische Aufgabe, die textliche Vermittlung in ein angemessenes Verhältnis zum Exponat zu bringen. Für eine Ausstellung, die Geschichte erzählt, eine nicht immer leicht einzulösende Aufgabe.

Hatten die Arbeitsgruppen des Museumsvereins bei der Einrichtung des Museums den Zugang über die Wissenschaftsbereiche Landeskunde, Archäologie und Stadtgeschichte gewählt, so sollte jetzt, im Konzept von 1992, grundsätzlich nach der Ganzheit des geplanten Rundgangs gefragt werden. Mit dem Namen "Historisches Museum Aurich" verbindet sich auf Seiten der Museumsbesucher der berechtigte Anspruch zu erfahren, was Aurich war und ist. Folglich haben sich die Einzelbereiche der Ausstellung zur Beantwortung dieser Frage miteinander zu verbinden.
Diese alles verbindende Thematik "Stadt Aurich" sollte auch für den Museumsbesucher als Prüfstein jeder einzelnen inhaltlichen Entscheidung herangezogen werden. Mit der Wahl der Stadt als übergreifendes Bezugsmoment verband sich die Möglichkeit, die Vielfalt an Themen einzugrenzen und zu strukturieren. Die "Stadt Aurich" sollte sich darstellen als das sich entwickelnde Zentrum der gleichnamigen Landgemeinde und konnte anschließend in chronologischer Folge gemäß ihrer historischen Bedeutung als Sitz von Herrschaft und Verwaltung des größeren Territoriums, nämlich Ostfriesland, gezeigt werden.
Die maßgebliche Entscheidung für den geschichtlichen Zugang beinhaltete eine Abgrenzung den anderen Museen gegenüber. Sie entsprach auch der eigenen Gründungsgeschichte. Das Historische Museum Aurich griff aufgrund seines jungen Bestehens auf keine größeren Sammlungen zurück. Hierin lag die Chance eines konzeptionell gebundenen Sammlungsaufbaus, der vermeiden sollte, Schaubereiche anderer Museen zum Maßstab zu nehmen.
Die Zeit der Bürger

Im Herbst 1995 wurde mit Unterstützung der niedersächsischen Sparkassenstiftung der erste Schaubereich, gleichsam das "Herzstück" eingerichtet. Hier zeigen sich zwei wesentliche Ebenen der inhaltlichen Vermittlung. Bei der thematischen Abfolge der Entwicklung des Auricher Bürgers seit 1744 steht am Anfang der einzelne Mensch mit seiner Familie und seinem Freundeskreis: das biedermeierliche Wohnzimmer, die weiblichen Handarbeiten, Porzellan, Glas und Erinnerungskultur. Das Ende des Schaubereichs öffnet den Blick auf den Beginn der allgemeinen gesellschaftlichen Politisierung sowie auf das Interesse am überregionalen wirtschaftlichen und politischen Handeln.
... und das Kaiserreich
Der Ausstellungsabschnitt widmet sich der Militarisierung im Deutschen Reich nach 1871. Gezeigt wird, welche Rolle das Militär in der kleinen ostfriesischen Beamtenstadt einnahm. Dazu gehört die Alltäglichkeit seiner Präsenz in Aurich genauso wie die allgemeine Vorbereitung der Bereitschaft, "für Kaiser und Vaterland" begeistert in den Krieg zu ziehen.
"Schritt für Schritt" - Ein Blick in die Dauerausstellung zur Stadtgeschichte im 19./20. Jahrhundert
Das gleiche Darstellungsprinzip wie in den Räumen zur Geschichte des Bürgers wurde in der zweiten Raumfolge wieder aufgegriffen. Am Beispiel des ersten Weltkrieges wird deutlich, wie sich auch in Aurich die Bewohner mit eigener Überzeugung von den kriegerischen Handlungen des Kaiserreichs begeistern ließen. Ziel war es zu zeigen, welche Wirkungen der Krieg auf das Leben in Aurich nahm. Hierfür stehen die Stichworte Mobilmachung und Kriegsbegeisterung, Kriegsanleihen, die Frau als Versorgerin der Familie, Lebensmittelknappheit, Kriegsmüdigkeit, Novemberrevolution.

Der zweite Weltkrieg führte zu einer Zerstörung der Werte, von der auch unsere Stadt nicht unberührt blieb. Gezeigt wird der Alltag unter dem Zeichen der Bedrohung des einzelnen Lebens durch die Machenschaften des herrschenden Unrechts.
Das konnte nicht geschehen durch eine Präsentation von Gegenständen, die auf die nationalsozialistische Herrschaft oder kriegerische Handlungen hinweisen, sondern forderte Alltägliches zusammen mit solchen Gegenständen zu präsentieren und vor allem zu erläutern. Diese Aufgabe hat zum Teil die Ton-Dia-Schau übernommen.
Am Ende des zweiten Weltkrieges stand die Notwendigkeit zu pragmatischem und demokratischem Handeln. Der notwendige Wiederaufbau war in Aurich weniger den durch Bombeneinwürfe zerstörten Häusern gewidmet. Es ging vielmehr um eine Normalisierung des Alltags von einem ständigen Druck der Vernichtung, der Einengung persönlicher Freiheiten und der finanziellen Möglichkeiten. Eine besondere Aufgabe war - wie in fast allen bundesdeutschen Städten - die Integration der Flüchtlinge und Vertriebenen. Die Nachkriegszeit forderte auch von den Auricher Bürgern besondere Anstrengung.

Wenn am Anfang jegliche Arbeit mit viel Engagement von Vereinsmitgliedern ehrenamtlich geleistet wurde, so waren sich alle Beteiligte der Notwendigkeit bewusst, dass der laufende Betrieb qualifiziertes Personal erforderlich machen würde. Zunächst im Rahmen von ABM finanziert, übernahm die Stadt schließlich die Kosten für das Museumspersonal, welches die inhaltliche und gestalterische Arbeit leistete.
Mit dem Freiwerden der Räume im Anbau, eröffnete sich Anfang der 90er Jahre die Perspektive, das Museum weiter auszubauen. Für den Vorstand war es unumstritten: Er wollte sich für die Erweiterung engagieren. In der Stellenausschreibung für die vakante Museumsleitung Ende 1990 wurde diese Aufgabe ausgewiesen.
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